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DIE STADT UND IHRE GESCHICHTE

„Breite Straßen und hohe, gelbe Häuser…“. So hat Ernest Hemingway La Spezia gesehen – wenige Worte für ein treffendes Portrait: Die Stadt mit den breiten Straßen und den Palazzi, deren Fassaden die Sonnenwärme sichtbar werden lassen.
Und immer noch gewinnt man diesen Eindruck, wenn man La Spezia besucht: Helle Häuser, die auf das Meer blicken. Es sind vor allen die Dimensionen der Gebäude, die deutlich machen, welch außergewöhnliche Entwicklung die Stadt ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfahren hat, d.h. seit der große, von den Savoyern gewollte Marinestützpunkt ihr Schicksal und ihr Angesicht großenteils verändert hat.
Piazza Sant'AgostinoIn Wirklichkeit aber hat La Spezia eine sehr viel ältere Geschichte. Als Hauptort der kurzlebigen Herrschaft von Niccolò Fieschi in der Zeit zwischen 1256 und 1273 war sie unvermeidlich mit den Geschicken der Ligurischen Republik verbunden – sie wuchs, veränderte sich und bildete sich nach dem Muster der ligurischen Hauptstadt.
Das ligurische Wesen lässt sich auch heute noch gut sowohl im Stadtbild als auch an den Gebäuden und deren Dekorationen erkennen. Dies merkt man auf der carrugio, die die Altstadt in der Mitte teilt, die Via del Prione, so genannt nach dem Steinblock, im Dialekt von La Spezia eben Prione, von dem aus die öffentlichen Bekanntmachungen ausgerufen wurden. Man geht die Gasse vom Meer hinauf, zwischen verstreuten Spuren der Geschichte, die zwar verborgen, jedoch sehr beredt sind: Es sind gravierte Steine, Kapitelle und Portale in Sandstein aus dem 14. Jahrhundert, Doppelbögen mit schon zaghaft an die Renaissance anspielenden Formen, manieristische und barocke Giebel und Verzierungen, die die Tore des Palazzo der früher mächtigen Marquis Doria und einst im Besitz der Fürsten Massa schmücken.
Die ligurischen Städte bestehen aus den Gassen, den so genannten carrugi, enge Straßen, wo die Gebäude alle nebeneinander stehen, Turmhäuser, die aus Gründen der Verteidigung zusammengefasst sind, und aus bescheidenen breiteren Stellen, an denen man besser Handel und das Gemeinschaftsleben allgemein pflegen konnte. Keine Plätze, sondern Campi, Felder. Und da stößt man also auf das Augustiner-Feld, heute Piazza Sant’Agostino, wo einst auf der zum Berg gelegenen Seite das 1390 gegründete Kloster stand. Die barocken Bauten bilden zum Meer hin eine einzige Häuserreihe. Bei ihrem Bau wurden die vorhandenen Turmhäuser einfach einbezogen. Deren wuchtige Spuren aus Marmor oder Sandstein sind in den Grundmauern noch zu erahnen.
Das Kastell San GiorgioDas Denkmal allerdings, das bis zum heutigen Tage am repräsentativsten für die Geschichte von La Spezia ist, ist sicherlich das Kastell San Giorgio. Auf einer kleinen Anhöhe, dem Poggio gelegen, der das alte Wohngebiet überschaut, hat es zahlreiche und kontinuierliche Bauphasen durchlaufen, die zumindest seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts dokumentiert sind: Auf diese Zeit scheint der mächtige Turm zurückzugehen, der heute nur in den Fundamenten erhalten ist, dann das Mauerwerk mit den Schießscharten für die Bogenschützen nach Norden, zum Garten hin, und ein Stück der verbliebenen Stadtmauern, die vom Kastell zur Via XX Settembre hinunter führen. 1443 wurde die Festung durch den Zusatz eines Baukörpers zum Tal hin, der für den Gebrauch von Feuerwaffen ausgerüstet war, radikal umgestaltet. Ein Jahrhundert später, 1554, erfolgt der völlige Umbau des oberen Teils des Gebäudes. Auf dieses Datum gehen auch die Bauarbeiten für die Errichtung eines wichtigen zusätzlichen Verteidigungswerkes, der Bastia, zurück. Diese ist zwar heute nicht mehr erhalten, ihre Reste sind aber kürzlich bergwärts des Kastells auf dem Universitätsgelände zutage getreten. 1607 schließlich, als Genua einen integrierten Umbau des Verteidigungssystems des Golfs beschloss, wurden Eingriffe vorgenommen, die dessen heutige Form bestimmen. Das Kastell wurde 1998 nach einer langen und sorgfältigen Restaurierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und beherbergt die Städtische Archäologische Sammlung, die im weiteren Verlauf noch behandelt wird.

EXODUS
Die Stadt La Spezia ist als „Tor Zions“ bekannt, denn sie wurde gegen Ende des zweiten Weltkriegs die Ausgangsbasis derjenigen, die es geschafft hatten, dem Holocaust zu entkommen. Vom Sommer 1945 bis zum Frühjahr 1948 verließen über 23.000 Juden heimlich Italien in Richtung Palästina. Nach langen und tragischen Ereignissen legten die Motorschiffe Fede, Fenice und Exodus aus dem Golf von La Spezia ab, so dass auf den israelischen Karten La Spezia als Schàar Zion, das Tor Zions, markiert ist. In Angedenken an dieses wichtige Ereignis findet in La Spezia jedes Jahr der Preis Exodus statt, der den interkulturellen Beziehungen gewidmet ist.