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Das Museum im Kastell. Archäologische Sammlungen „Ubaldo Formentini“

Das Museum im KastellDas städtische Museum Formentini ist 1873 eingerichtet worden, d.h. in jenem Zeitraum nach der Italienischen Einheit, als viele Städte die Bestätigung ihres historischen und kulturellen Images der Heiligkeit des Museums als Ort des Angedenkens schlechthin anvertrauten.
Abgesehen davon brachte diese Zeit für La Spezia besondere Veränderungen, weil die Altstadt im Zuge der Arbeiten für den Bau des großen Marinestützpunkts vergrößert und umgestaltet wurde. Gerade jene Eingriffe trugen dazu bei, eine versunkene Welt ans Licht zu bringen, die sowohl naturwissenschaftliche als auch archäologische Zeugnisse lieferte, Material, das die lange Besiedelung des Golfs von La Spezia und seines Hinterlandes bestätigt. Im Museum werden Fundstücke aufbewahrt, die aus der historischen Lunigiana stammen, einer Region mit eigener kultureller Identität, auch wenn sie in den heutigen juristischen und verwaltungstechnischen Grenzen nicht anerkannt wird.
Die Überführung der Archäologischen Städtischen Sammlungen ist neuen Datums, aufgrund der Notwendigkeit, der reichhaltigen, bereits im aktuellen Museum „Podenzana“ im unteren Teil eingerichteten Sektion einen angemessenen Sitz zu geben. Die so im restaurierten Kastell ausgestellten Fundstücke bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit, die Besiedelung und die Nutzung des Gebiets der Lunigiana von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter kennenzulernen. Das ist umso interessanter, da die ausgestellten Objekte mit ihrer Umgebung, d.h. mit dem Kastell selbst, korrespondieren.
Als Einführung sind die Zeugnisse zu sehen, die menschliche Siedlungen an der Küste und im Hinterland schon von der Kupferzeit, d.h. vom 4. Jahrtausend an belegen, da einfache Grabbeigaben den Ritus der Gemeinschaftsbestattung in natürlichen Felsenöffnungen bezeugen. Auf den gleichen Zeitraum gehen die ersten außergewöhnlichen Stelen, anthropomorphe Skulpturen, zurück, die einst aufgestellt wurden, um das Territorium zu schützen: Weibliche, männliche und geschlechtslose Stelen, die mit Waffen und Juwelen geschmückt und überraschenderweise in ihren sozialen Rollen gekennzeichnet waren. Der fragmentarische Kopf, der in Verrucola aufgefunden wurde, ist mit seinem scharfen, undurchdringlichen Blick fast ein Wahrzeichen jener weit zurückliegende Gesellschaft.
Nach einer kurzen Unterbrechung wurden die Stelen erneut ab der mittleren Eisenzeit hergestellt: Durch den Kontakt mit der etruskischen Kultur und kurz vor der Romanisierung des Territoriums wurden die antiken Steine abgeschabt und neu beschrieben, jetzt Werke auch zum Angriff und nicht nur zur Verteidigung, die Waffen in der Hand halten, die einst nur Kennzeichen von Würde und sozialer Macht waren.
Das tatsächliche, von Landwirtschaft und Viehzucht geprägte Leben wird von dem Material bezeugt, das aus den befestigten, auf den Anhöhen errichteten Siedlungen (so genannten castellari) stammt, die auf die mittlere Bronzezeit zurückgehen. Diese wurden immer dann wieder und dauerhaft bezogen, wenn ein defensiver Rückzug notwendig wurde. Auch Funde aus den Kastengräber sind zu sehen, sechs Tafeln anfänglich aus Stein und dann, durch den Kontakt mit der römischen Kultur, aus Ton, die die Asche der Verstorbenen und die zugehörigen Grabbeigaben enthielten
Im oberen Teil der Festung befindet sich ein großer Teil der Sammlung Fabbricotti; das ist die umfangreiche Sammlung römischen Materials aus Luni, einst im Besitz der Familie Fabbricotti gehörte und 1939 der Stadt La Spezia vermacht. Luni, die leuchtende Schwester der Sonne, die strahlendweiße Stadt, die noch im 5. Jh. n. Chr. mit dem makellosen Schnee, der sich nunmehr im Grün der Felder auflöste, verglichen wurde, hat eine beachtliche Ausbeute an Fundstücken geliefert, die sowohl das öffentliche und offizielle Leben als auch den Alltag der dort lebenden Gemeinschaft illustrieren. Die architektonische Abteilung, der den Kulten gewidmete Saal mit besonderer Aufmerksamkeit für die Bestattungen, die instrumenta domestica, die Bildhauer- und Portraitkunst, die Mosaikarbeiten und die Inschriftensammlung bis zu den außergewöhnlichen Marmorfragmenten aus byzantinischer und karolingischer Epoche, die aus der verloren gegangenen Kathedrale von Luni stammen, geben einen sehr beeindruckenden Einblick in die römische Kultur und Kunst, bis diese sich nach dem Niedergang des römischen Reiches in aus anderen Einflussbereichen stammenden Beiträgen auflösen.
Zum Schluss schweift der Blick von den Terrassen des Kastells über den ganzen Golf, seine Hügel und den ewigen Schimmer der Apuanischen Alpen.

Das Museum "Ubaldo Formentini"
Via XXVII Marzo
Tel 0039 0187 751 142
Öffnungszeiten: von Mittwoch bis Montag 9.30 - 12.30 Uhr / 17.00 - 20.00 Uhr
Geschlossen am: Dienstag (außer Feiertagen), Neujahr, 24. und 25. Dezember