Acquasanta und der Wasserkult
„… Diese Wiese ist die Heiligwasser-Ebene, was der kleinen Kirche an ihrem Ende zu verdanken ist, in der eine Madonna steht, die unter dem gleichen Namen verehrt wird, denn hier gibt es eine ewige Quelle reinsten Wassers, die links dieses Kirchleins entspringt“. So beschrieb Giovanni Capellini 1892 den Ort, an dem die Wallfahrtskirche der „Madonna dell’Acquasanta“, also der Muttergottes des Heiligen Wassers steht. Dieser Ort war damals komplett mit Olivenbäumen bestanden und wurde vom Kanal von San Vito, dem Sankt-Veits-Kanal, durchzogen. Die Quelle hatte dem Ort seinen Namen gegeben, der bei seiner Christianisierung der Jungfrau geweiht wurde. Wie bereits Ubaldo Formentini behauptete, ist es jedoch wahrscheinlich, dass an dieser Stelle bereits ein Nymphäum stand, ein den Nymphen geweihter heidnischer Wallfahrtsort, wobei auch hier die Sakralität des Wasser das vorrangige Element ist. Dieser Kult wäre dann in den Marienwallfahrtsort umgewandelt worden.
Die Reste des Nymphäums sollen in den öffentlichen Waschplatz eingebaut worden sein, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. In den 70er Jahren ging dann alles verloren als auch die Quelle zugeschüttet wurde.
Die erste Nachricht dieser Kirche stammt aus dem Jahr 1584, auch wenn wir – wie gesagt – davon ausgehen können, dass dieser Kultort sehr viel älter ist. In jedem Fall besuchte im Jahr 1584 der apostolische Gesandte Monsignor Peruzzi im Laufe seiner Pastoralreise die Wallfahrtskirche und beschrieb deren zahlreiche Votivgaben aus Wachs zur Bestätigung der Lebendigkeit des Kultes.
Im Jahr 1702 geschah ein Wunder, das die Heiligkeit des Ortes und die heilenden Eigenschaften der Quelle bestätigte: Die Quelle war aufgrund der anhaltenden Trockenheit getrocknet, aber nach den Gebeten einer Frau aus Marola zur Heiligen Jungfrau, floss die Quelle wieder mit erneuter Heilkraft.
Nicht weit vom Hang von San Vito entfernt, im Herzen von Cadimare, blubberte mitten im Meer die Süßwasserader, ein unterirdisches Phänomen, das die wissenschaftlicher Neugier zahlreicher Forscher geweckt hatte. Die Antriebskraft dieser Quelle erzeugte einen Wasserstrahl, der aus dem Meerwasser emporstieg. Im Laufe der Bauarbeiten für den Militärhafen verloren gegangen, hatte die Quelle und deren merkwürdiger Wasserstrahl zur Bekanntheit des Golfes beigetragen, wo das Wasser und dessen heilende und leicht magischen Kräfte eine wahre Besonderheit waren.



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